Sicherheitsschuhe schützen die Füße vor unterschiedlichen Gefahren am Arbeitsplatz. Ob auf der Baustelle, in der Werkstatt, im Lager oder in der Produktion: Je nach Tätigkeit können beispielsweise herabfallende Gegenstände, spitze Materialien auf dem Boden, Feuchtigkeit oder rutschige Untergründe eine Rolle spielen. Doch was unterscheidet Sicherheitsschuhe der Klassen S1, S2, S3, S5 und S7? Was bedeutet die Kennzeichnung S1P und wann sind ESD-Schuhe erforderlich? Unser Ratgeber erklärt die wichtigsten Schutzklassen und zeigt, worauf bei Auswahl, Pflege und Austausch von Sicherheitsschuhen geachtet werden sollte.
Welche Schutzklassen gibt es bei Sicherheitsschuhen?
Die DIN EN ISO 20345 unterscheidet die Schutzklassen SB, S1, S1P, S2, S3, S4, S5, S6 und S7. Hinzu kommen Varianten wie S1PL, S1PS, S3L, S3S, S5L, S5S, S7L und S7S, die sich unter anderem durch die Art der Durchtritthemmung unterscheiden. Welche Klasse geeignet ist, richtet sich nach den Gefährdungen am Arbeitsplatz.
Was sind die Unterschiede zwischen den Schutzklassen S1, S2, S3, S5 und S7 bei Sicherheitsschuhen?
Die Unterschiede liegen vor allem beim Schutz vor Feuchtigkeit, beim Widerstand gegen Durchstich und bei der Bauweise des Schuhs.
| Schutzklasse | Wesentliche Eigenschaften | Typische Einsatzbereiche |
|---|---|---|
| SB | Grundanforderungen einschließlich Zehenschutzkappe | Bereiche mit geringen zusätzlichen Anforderungen |
| S1 | geschlossener Fersenbereich, antistatische Eigenschaften und Energieaufnahme im Fersenbereich | trockene Innenbereiche, Lager, Werkstatt oder Produktion |
| S2 | wie S1, zusätzlich Anforderungen an Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme des Obermaterials | Bereiche mit zeitweiser Feuchtigkeit |
| S3 / S3L / S3S | wie S2, zusätzlich Widerstand gegen Durchstich und Profilsohle | Baustelle, Handwerk und Außenbereiche |
| S4 | vollständig geformte oder vulkanisierte Schuhe bzw. Stiefel, antistatisch und mit Energieaufnahme im Fersenbereich | Nassbereiche |
| S5 / S5L / S5S | wie S4, zusätzlich Widerstand gegen Durchstich und Profilsohle | besonders nasse Arbeitsbereiche mit Gefahr durch spitze Gegenstände |
| S6 | wie S2, zusätzlich Wasserdichtheit des gesamten Schuhs | nasse Einsatzbereiche ohne vorgeschriebenen Durchstichschutz |
| S7 / S7L / S7S | wie S3, zusätzlich Wasserdichtheit des gesamten Schuhs | anspruchsvolle Außen- und Nassbereiche mit Durchstichgefahr |
Sicherheitsschuhe S1
S1-Sicherheitsschuhe eignen sich insbesondere für trockene Arbeitsbereiche. Sie besitzen neben der Zehenschutzkappe einen geschlossenen Fersenbereich, antistatische Eigenschaften und eine Energieaufnahme im Fersenbereich. Typische Einsatzgebiete sind beispielsweise Lagerhallen, Werkstätten oder trockene Produktionsbereiche.
Sicherheitsschuhe S2
S2 baut auf S1 auf. Zusätzlich muss das Obermaterial Anforderungen hinsichtlich Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme erfüllen. Dadurch eignet sich S2 für Arbeitsbereiche, in denen zeitweise mit Feuchtigkeit zu rechnen ist. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass ein S2-Schuh vollständig wasserdicht ist.
Sicherheitsschuhe S3
S3 bietet die Eigenschaften von S2 und besitzt zusätzlich Widerstand gegen Durchstich sowie eine Profilsohle. In der aktuellen Norm wird unterschieden zwischen:
S3: metallische Einlage P
S3L: nichtmetallische Einlage PL
S3S: nichtmetallische Einlage PS
S3-Schuhe sind deshalb häufig auf Baustellen sowie im Bau- und Ausbauhandwerk zu finden, wo beispielsweise Nägel, Schrauben oder andere spitze Gegenstände auf dem Boden liegen können.
Sicherheitsschuhe S5
S5-Schuhe gehören zur Klasse der vollständig geformten oder vulkanisierten Schuhe, beispielsweise Gummi- oder Polymerstiefel. Sie besitzen zusätzlich einen Widerstand gegen Durchstich sowie eine Profilsohle. Sie kommen insbesondere dort infrage, wo Nässe und mechanische Gefährdungen gleichzeitig auftreten.
Sicherheitsschuhe S7
S7 gehört zu den mit der Überarbeitung der Norm eingeführten Schutzklassen. Vereinfacht gesagt verbindet S7 die Eigenschaften von S3 mit einer zusätzlichen Wasserdichtheit des gesamten Schuhs. Auch hier wird zwischen S7, S7L und S7S unterschieden, abhängig von der verwendeten Einlage gegen Durchstich.
Was bedeutet ESD bei Sicherheitsschuhen?
ESD steht für „Electrostatic Discharge“, also elektrostatische Entladung. ESD-Schuhe sollen elektrostatische Ladungen kontrolliert ableiten und dadurch insbesondere empfindliche elektronische Komponenten vor Schäden schützen. Sie werden deshalb beispielsweise in der Elektronikfertigung, Halbleiterindustrie oder anderen elektrostatisch geschützten Bereichen eingesetzt. ESD darf nicht mit der normalen antistatischen Eigenschaft eines Sicherheitsschuhs gleichgesetzt werden. Sicherheitsschuhe ab S1 verfügen bereits über antistatische Eigenschaften. Für ESD gelten jedoch zusätzliche Anforderungen an den elektrischen Widerstand.
Wichtig: ESD-Schuhe sind keine elektrisch isolierenden Sicherheitsschuhe und dienen nicht als Schutz vor elektrischem Schlag. Für Arbeiten an elektrischen Anlagen können andere, speziell dafür vorgesehene Schutzanforderungen notwendig sein.
Was bedeutet S1P bei Arbeitsschuhen?
Die Kennzeichnung S1P bedeutet, dass ein Sicherheitsschuh zunächst die Anforderungen von S1 erfüllt und zusätzlich einen Widerstand gegen Durchstich besitzt. Nach der aktuellen Norm wird genauer unterschieden:
P: metallische Einlage, geprüft mit einem Prüfnagel von 4,5 Millimetern
PL: nichtmetallische Einlage, geprüft mit einem Prüfnagel von 4,5 Millimetern
PS: nichtmetallische Einlage, geprüft mit einem dünneren Prüfnagel von 3 Millimetern
Dementsprechend können unter anderem die Kennzeichnungen S1P, S1PL oder S1PS vorkommen. Ein S1P-Schuh ist allerdings nicht automatisch mit einem S3-Schuh gleichzusetzen. Für S3 gelten zusätzliche Anforderungen, unter anderem an das Obermaterial und die Profilsohle.
Gibt es Alternativen zu Stahlkappen, beispielsweise Kunststoffkappen?
Die Bezeichnung „Stahlkappenschuh“ wird häufig als Synonym für Sicherheitsschuhe verwendet. Eine Zehenschutzkappe muss heute allerdings nicht zwingend aus Stahl bestehen. Je nach Schuhmodell kommen unter anderem folgende Materialien zum Einsatz:
Stahl: robust und vergleichsweise kompakt, allerdings relativ schwer und wärmeleitend.
Aluminium: leichter als Stahl und ebenfalls sehr widerstandsfähig.
Kunststoff: leicht, metallfrei und weniger wärmeleitend.
Verbundwerkstoffe beziehungsweise Composite: ebenfalls metallfrei und häufig besonders leicht.
Entscheidend ist nicht allein das Material. Eine nach EN ISO 20345 geprüfte Zehenschutzkappe muss unabhängig vom verwendeten Werkstoff die vorgeschriebenen Anforderungen erfüllen. Dazu gehören unter anderem die Prüfungen mit 200 Joule Stoßenergie und 15 Kilonewton Druckkraft. Metallfreie Modelle können beispielsweise interessant sein, wenn ein geringeres Gewicht gewünscht ist oder wenn am Arbeitsplatz Metalldetektoren oder andere technische Anforderungen eine Rolle spielen.
Wie pflegt man Sicherheitsschuhe, um die Schutzwirkung zu erhalten?
Auch hochwertige Sicherheitsschuhe können ihre Schutzwirkung verlieren, wenn sie stark verschmutzt, beschädigt oder falsch behandelt werden. Eine regelmäßige Kontrolle und Pflege trägt deshalb dazu bei, die Funktionsfähigkeit und Lebensdauer zu erhalten. Grobe Verschmutzungen sollten nach der Arbeit entfernt werden. Für Leder und andere Obermaterialien sollten nur geeignete Pflegeprodukte entsprechend den Herstellerangaben verwendet werden. Nasse Schuhe sollten an einem gut belüfteten Ort trocknen. Von einem schnellen Trocknen direkt auf einer Heizung oder mithilfe starker Wärmequellen ist abzuraten. Zu hohe Temperaturen können Materialien und Verklebungen beeinträchtigen.
Besonders wichtig ist außerdem die Kontrolle von:
- Laufsohle und Profil
- Nähten und Obermaterial
- Zehenschutzbereich
- Verschlüssen und Schnürsystemen
- Verbindung zwischen Sohle und Schuhoberteil
- vorhandenen Einlegesohlen
Einlegesohlen sollten bei Sicherheitsschuhen nicht beliebig ausgetauscht werden. Nicht für das jeweilige Schuhmodell zugelassene Einlagen können beispielsweise den Abstand zur Zehenschutzkappe oder elektrische Eigenschaften verändern und dadurch die geprüfte Schutzfunktion beeinflussen.
Wie lange sollten Sicherheitsschuhe getragen werden, bevor sie ersetzt werden müssen?
Eine allgemeingültige Nutzungsdauer lässt sich nicht festlegen. Wie lange Sicherheitsschuhe getragen werden können, hängt unter anderem von der Beanspruchung, dem Material, der Feuchtigkeit, Temperatur, mechanischen Belastung und der Pflege ab. Ein bestimmtes Alter allein sagt deshalb wenig über den tatsächlichen Zustand eines häufig getragenen Sicherheitsschuhs aus.
Vor der Benutzung sollten die Schuhe regelmäßig auf sichtbare Beschädigungen kontrolliert werden. Ausgetauscht werden sollten sie insbesondere bei tiefen Rissen, starkem Abrieb, beschädigten Nähten, deutlichen Sohlenbeschädigungen, zu geringem Profil, freiliegenden Schutzkomponenten oder defekten Verschlüssen. Auch nach einer starken mechanischen Belastung sollte geprüft werden, ob der Schuh weiterhin sicher verwendet werden kann. Hersteller können darüber hinaus Angaben zur maximalen Lager- oder Nutzungsdauer machen. Deshalb sollten immer auch die Gebrauchs- und Herstellerinformationen des jeweiligen Modells berücksichtigt werden.
Fazit: Die passende Schutzklasse richtet sich nach dem Einsatzbereich
Bei Sicherheitsschuhen kommt es nicht darauf an, grundsätzlich die höchste Schutzklasse zu wählen. Entscheidend ist, welche Gefährdungen am jeweiligen Arbeitsplatz tatsächlich bestehen. Während S1 beispielsweise für viele trockene Innenbereiche geeignet ist, bieten S3-Modelle zusätzlich Widerstand gegen Durchstich und eine Profilsohle. S5 eignet sich für entsprechende Nassbereiche, während S7 die Eigenschaften von S3 mit einer Wasserdichtheit des gesamten Schuhs verbindet. Auch ESD-Eigenschaften, die richtige Passform, eine geeignete Zehenschutzkappe sowie regelmäßige Pflege und Kontrolle sollten bei der Auswahl berücksichtigt werden. So kann ein Sicherheitsschuh seine vorgesehene Schutzfunktion zuverlässig erfüllen.
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Häufig gestellte Fragen
Wie finde ich die richtige Größe bei Arbeitsschuhen?
Sicherheitsschuhe sollten weder zu eng noch deutlich zu groß gewählt werden. Entscheidend sind neben der Schuhgröße auch Fußlänge, Fußbreite und die Form des Zehenbereichs. Am besten werden beide Füße vermessen und die Schuhe mit den Socken anprobiert, die auch während der Arbeit getragen werden. Die Zehen benötigen ausreichend Bewegungsfreiheit, während die Ferse sicher im Schuh sitzen sollte. Da sich die feste Zehenschutzkappe nicht wie ein gewöhnliches Schuhoberteil an den Fuß anpasst, sollte bereits bei der Anprobe darauf geachtet werden, dass kein Druck auf die Zehen entsteht. Hersteller bieten teilweise unterschiedliche Weiten für verschiedene Fußformen an.
Die Stahlkappe drückt auf die Zehen – was kann ich tun?
Eine Zehenschutzkappe sollte bei normaler Nutzung nicht dauerhaft auf die Zehen drücken. Druckstellen können darauf hinweisen, dass der Schuh zu kurz, zu schmal oder von seiner Passform her ungeeignet ist. In diesem Fall sollte zunächst die Größe und Weite überprüft werden. Häufig kann ein anderes Schuhmodell mit einem breiteren Zehenbereich die bessere Lösung sein. Die Zehenschutzkappe selbst sollte nicht nachträglich verändert oder verformt werden. Auch zusätzliche oder andere Einlagen dürfen nur verwendet werden, wenn sie für das jeweilige Sicherheitsschuhmodell zugelassen sind.
Wie erkenne ich rutschfeste Sicherheitsschuhe?
Bei Sicherheitsschuhen nach der aktuellen DIN EN ISO 20345:2022 gehört eine Prüfung der Rutschhemmung auf Keramikfliesen mit einer definierten Prüfflüssigkeit bereits zu den Grundanforderungen. Zusätzlich kann ein Schuh die Kennzeichnung SR tragen. Sie zeigt an, dass eine weitere Rutschhemmungsprüfung auf Keramikfliesen mit Glycerin bestanden wurde. Bei älteren, nach vorherigen Normfassungen zertifizierten Schuhen können noch die Kennzeichnungen SRA, SRB oder SRC zu finden sein.
Unabhängig von der Kennzeichnung sollte das Profil regelmäßig kontrolliert werden. Ein stark abgelaufenes oder beschädigtes Profil kann die Rutschhemmung im praktischen Einsatz deutlich verschlechtern.

